Once upon a time…

Es war einmal…..

Ja, lange ist es her, gefuehlt wie in einem anderen, frueheren Leben, aber real gerade einmal sechs Wochen.

Es war einmal eine Zeit, da bin ich mit dem Fahrrad durch die Gegend bzw. durch die Welt gefahren.

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Freedom

Grenzen spielten keine Rolle, ich musste nur meinen Reisepass vorzeigen und bekam drei Monate Aufenthalt. Ich hielt das alles fuer selbstverstaendlich. Jetzt ist nichts mehr selbstverstaendlich. Ja, selbst Argentinier koennen z.B nur unter grossen Schwierigkeiten und Sondergenehmigungen aus Chile zurueck in ihr eigenes Land einreisen. 

Aber nun noch einmal zurueck, vor diese Zeit…

Damals, vor sechs Wochen wollte ich es noch ein zweites Mal versuchen: von Argentinien rueber nach Chile ueber den Paso de Sico. Beim ersten Mal bin ich gescheitert. Der Pass war damals geschlossen. 

In Jujuy holte ich meine Wintersachen ab, die ich bei Luis lassen konnte, spielte eine Runde mit Ralf.

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Playing with Ralf

Hummeln im A., Kribbeln im Bauch. Voller Vorfreude auf die Berge, die karge Landschaft, die Lamas, Alpacas und Vikunas. Ich brach meinen alten Hoehenrekord und fuhr am ersten Tag 1850 Meter die Anden hoch.

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1850 m up

Schlief die Nacht auf 4150mNN und war ueberrascht, dass ich weder Kopfweh noch Nasenbluten noch sonstige Probleme hatte. Ich war einfach zu gluecklich, fuehlte mich so heimisch und wohl hier oben.

In Katua, meinem lieben kleinen Dorf Katua, waren alle Hostels schon belegt und ich kam bei einer Familie unter, die mir ein leeres Zimmer in ihrem Haus anbot. Ohne ihren Papa vorher gefragt zu haben, entschied sich die 17jaehrige Tochter, dass ich dort uebernachten duerfte. Als der Vater abends heimkam, war er nicht wenig ueberrascht, mich zu sehen, aber es war voellig in Ordnung. 

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announcement in Katua

Ich machte mich auf zur Grenze. 13 ungewisse Kilometer. Jemand sagte mir zuvor, die Grenze sei zu wegen Coronavirus. Damals fuer mich unvorstellbar. Die Grenze war auf.

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I made it

Und ich kam nun endlich in den Genuss, im Grenzgebaeude schlafen zu duerfen. Ein Vier-Sterne-Vergnuegen: Saubere Kueche, heisse Dusche und ein Wifi so schnell wie ich es sehr sehr selten habe und ein Zimmer ganz fuer mich alleine. Ich verkochte all mein Gemuese ass alles Obst, denn Chile hat striktes Einfuhrverbot fuer nahezu alle Lebensmittel. Gerne waere ich noch laenger geblieben….

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Back in Chile 

Hagel, Gegenwind, Gewitter und ein Pass von 4500mNN lagen zwischen mir und der stillgelegten Miene El Laco.  Die unter Radlern beruehmte Miene, in der nur noch zwei Menschen arbeiten, deren Job darin besteht, aufzupassen, dass niemand etwas stiehlt. Ich klopfte an. Wurde hereingebeten und in die Kueche gefuehrt. „Willst du einen Teller Suppe?“, „Moechtest du Cafe?“, Moechtest du noch einen Teller Suppe?“, Moechtest du noch einen Cafe?“ Oh, man. Ich war ueberwaeltigt. Danke, danke euch beiden. 

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Mina El Laco

Mit der Einsamkeit war dann erstmal Schluss auf der Strasse nach San Pedro de Atacama. Touristenbus hinter Touristenbus, PKWs. Ein Touristenguide schenkte mir einen Riegel Schoki, fuellte meine Wasserflaschen auf. Ein Auto hielt mich an. Ich bekam eine Handvoll Chips und ein Becher Cola geschenkt. Und danach bin ich fast geflogen ueber den Asphalt, den Berg hoch, den Gegenwind im Gesicht. Unbesiegbar. Und dann holte mich Max ein, als ich Mittagspause machte. 

Max, der in Alaska gestartet ist, der 10 Stunden netto im Sattel sitzt, mindestens 100 km am Tag faehrt, Max, den Luisa in Peru getroffen hat. Max, der spaeter, in einigen Jahren Cross Continent Rennen fahren will und jetzt schon einmal darauf trainiert. Max erzaehlte mir, dass er zwei Tage zuvor von San Pedro hoch zum Paso de Jama gefahren ist. 160 km und mehr als 4400 Hoehenmeter (!). Ich bin neidlos beeindruckt von dieser wahnsinnigen Leistung. Auch die USA durchquerte er in fuenf Wochen. Mehr als 5000km. Nicht herumprotzend hat Max von seinem Fahrstil erzaehlt. Im Gegenteil. 

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Max

Wie Luisa sehr treffend schreibt: „Es gibt Radler, die reisen, und es gibt Reisende, die Rad fahren.“

Max und ich gehoeren eindeutig nicht in dieselbe Schublade. Am naechsten Tag machte ich mich zwei Stunden spaeter als Max auf den Weg. Erstmal gemuetlich fruehstuecken…..

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one night not alone but with Max

Seit drei Wochen bin ich nun in San Pedro de Atacama. Im Hostel „Casa del Sol Naciente“ – Haus der aufgehenden Sonne. Nein, nicht die ganze Zeit. In der Wueste, 20 km ausserhalb, habe ich ein kleines etwas verfallenden Haeuschen gefunden.

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„My“ hut

Es bietet Platz fuer mein Zelt, fuer mein Fahrrad und etwas Raum zum Kochen. Dort war ich bisher dreimal, fuer jeweils drei Naechte. Ich bin sehr dankbar fuer diese Zuflucht. Absolute Stille und Einsamkeit, an die ich mich erst gewoehnen musste.

Ich verbringe die Zeit dort mit Lesen, Sudoku und dem Studieren eines Matheskripts der Vorlesung „Elementare Zahlentheorie“ der Universitaet Ulm. Morgens, waehrend die Sonne aufgeht, gehe ich meine Runde. Mache Yoga und Liegestuetze.

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Meditation and yoga 

Aber nein, ganz alleine bin ich nicht. Ich teile mir diesen Raum mit einer Maus. Jeden Abend lege ich ihr ein Stueck Banane hin. So bilde ich mir ein, ich haette sie unter Kontrolle und sie knabbert nicht meine Gepaecktaschen an oder beisst sich durch mein Zelt um an die Lebensmittel zu kommen. Am naechsten Morgen ist das Stueck Banane verschwunden. 

Max schreibt mir aus Frankreich. Hat sich ganz schnell entschieden, nach Hause zu fliegen. Luisa ist ebenfalls wieder zurueck in Deutschland. Sie hat es bis nach Ecuador geschafft und konnte dann im Rahmen des Rueckholprogamms des Auswaertigen Amtes heimfliegen. Ihr Fahrrad Anton blieb in Ecuador. Melanie und Flavio harren in Kolumbien aus. Sie entschieden sich, wie ich, gegen das Heimfliegen. 

San Pedro de Atacama in times of Corona                 Press on foto to enlarge

Chile hat zur Zeit nur lokal begrenzte Ausgangssperren. Es gibt und gab nie einen Klopapierengpass. Die Grenzen nach Peru, Argentinien und Bolivien sind geschlossen. Ich bin froh, in Chile gestrandet zu sein. In diesem kleinen Dorf. Hier gibt es noch keinen offiziellen Corona-Fall, was aber auch daran liegen koennte, dass hier keine Tests durchgefuehrt werden (koennen). 

Es laesst sich hier aushalten. Eine Weile noch….

Bis dahin und

…Bleibt gesund…

And Life Inbetween

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Luis is washing Max while Ralf is watching

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Motocyclistas from Brazil

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Cyclists around

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Many goats here

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Save Place to stay dry in heavy storm during the night

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Just asking for water and I got invited of the hotel-owners, Thanks alot.

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„Hello“

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Just right into the rain

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miners

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on the way to Katua

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a vicuna

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so nice…

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Down to San Pedro de Atacama

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I feel home

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a salt lake

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Vulcanos in Bolivia

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this is what the church says

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Wendekreis des Steinbocks

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Playing tabletennis in the hostel – having fun

8 Gedanken zu “Once upon a time…

  1. Hallo Heike! Ich lese immer mit Interesse und Erstaunen Deinen Blog. Ich hab in der letzten Zeit noch an Dich gedacht und mich gefragt, wo Du bist, ob Du unter den „Rückgeholten“ warst…. Nun bleib gesund u ich hoffe, Du kannst bald weiterfahren. Grüße aus Minden, Edda

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  2. Liebe Heike, gratuliere zum Pass und freu mich, dass du gesund bist. Bei uns auch alles gut. Liebe Grüße aus Stuttgart – roland

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  3. Hallo Heike, wir lesen mit Interesse deine Berichte und wie es dir in dieser schweren Zeit geht. Freuen uns das es dir gut geht, auch wenn du in San Pedro fest hängst sind gespannt wann die Reise weiter gehen kann.
    Viele Grüße aus Deutschland
    Patricia und Engelbert (Fuji)

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  4. Liebe Heike,
    ich bin immer wieder beeindruckt, wie Du das alles schaffst!
    Schön, dass Du von Deinen Eindrücken und Erlebnissen über diesen Blog berichtest. Da entführt Du einen immer wieder in die große weite Welt!
    Der Alltag hier ist sonderbar : ich genieße, dass ich den Frühling dieses Jahr ganz besonders ausgiebig erleben kann, aber gleichzeitig ist die Sorge da, wie wohl alles weiter geht und außerdem vermisse ich den Schulalltag.
    Pass gut auf dich auf!
    Liebe Grüße von Ines aus Stuttgart & Ludwigsburg

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