Berlin

The first day
“Are you on a world trip?“ At the end of my first day, I am standing
with a fully loaded bicycle on the camping ground of the Water Sport
Association on the shores of the Weser. I nod and when I ask the
group sitting in front of the RV if I might put up my tent for a
night, they are amenable….(Scroll down for continue reading in english)

„Machen Sie ´ne Weltreise?“
Mit vollbepacktem Fahrrad stehe ich am Ende des ersten Tages meiner großen Reise auf der Campingwiese des Wasser-Sport-Vereines Landesbergen an der Weser. Ich nicke und frage zurück in die Runde, die dort gemütlich vor einem der Wohnwagen sitzt, ob ich hier wohl mein Zelt für eine Nacht aufstellen dürfte. Die Chefin stimmt zu und sagt mir auch wo ich die Dusche und die Toiletten finde.

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Gleich geht’s los

Der erste Tag geht zuende. Ich sitze vor dem Zelt, vertreibe die wenigen Mücken. Die Sonne geht langsam unter. Vögel zwitschern. Ich bin etwas müde, auch deshalb, weil ich gestern noch bis Mitternacht mit Packen beschäftigt war.
Nach dem letzten Mittagessen zu Hause mit meinen Eltern und meinem Opa und jeder Menge
Abschiedsphotos machte ich mich auf den Weg zu Oma auf den Friedhof. Nach noch nicht einmal eineinhalb Kilometern löste sich eine der hinteren Taschen vom Gepäckträger und ich brauchte eine halbe Stunde um die Halterung zu reparieren. Auch zufrieden, das erste Problemchen gelöst zu haben, fuhr ich weiter Richtung Friedhof.Ich habe mich von meiner Oma verabschiedet und fuhr mit einem Mischmasch aus Trauer und Vorfreude im Bauch durch Minden hinunter zur Weser.

Hamburg
Zwei Tage später erreichte ich Hamburg. Mein GPS-Gerät führte mich zielstrebig zum Treffpunkt, den ich mit Friedrich ausgemacht habe. Wir haben uns seit fast zwei Jahren nicht gesehen, und so war es ein glückliches Wiedersehen. Hamburg zeigte sich von seiner schönsten Seite, und als wir am nächsten Tag auf dem Balkon frühstückten mit frischem portugiesischen Gebäck, lecker Cappuchino und auf die ganzen Touristen, die unter uns vorbeizogen, herunterblickten, fing ich langsam an zu begreifen, wie frei ich nun bin.

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Hamburg

Friedrich nahm mich mit zu seinem Ruderverein, und ich saß zum ersten Mal im Leben in einem Ruderboot, einem Vierer mit Steuerfrau, und wir ruderten auf einem der Elbekanäle.
Wir fuhren Fähre, die Elbe rauf und runter, aßen in Finkenwerder und Altona Fischbrötchen, pichelten abends in der Hafenstraße unser wohl verdientes Feierabendbier und dann hieß es auch hier Abschiednehmen, von Friedrich und Sabine, die ich nun auch endlich mal wieder besucht habe. Sabine schenkte mir zum Abschied den Sorgenfresser, der nun an meinem Lenker hängt. Friedrich vermachte mir seine Lenkervase, in der nun jeden Tag frische Blumen stehen.

Wendland und „War starts Here – Camp

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War starts here

Entlang der Elbe ging es nach Hitzacker, nach Dannenberg und in Jameln fing es an zu regnen. Ich erinnere mich an das blutüberströmte Gesicht vom Bauern Adi Lambke, der hier 1996 von der Polizei, in seinem Traktor sitzend, verprügelt wurde. Es war Castor-Zeit im Wendland.
Ich war auf dem Weg zu O. um auch ihm noch einmal „Hallo“ zu sagen. Er leihte mir ein altes Zelt und ein altes Fahrrad, weil ich es zu riskant fand, mit meinem sauguten Fahrrad und meinem teuren Zelt auf das ̶
2;War starts here“ – Camp in die Altmark zu fahren. Die Nächte dort waren kalt. Tagsüber gab es spannende Workshops, abends tolle Gespräche an der Feuertonne.
Die Zeit verging viel zu schnell und eine Woche später fuhr ich entlang der Elbe und Havel
nach Berlin. Unterwegs fielen mir in Brandenburg die vielen roten Xe aus Holz auf, die an Häuser, Bäume und Gartenzäune gezimmert waren. In einem Dorf fragte ich jemanden nach der Bedeutung dieser Kreuze. „Damit drücken diese Leute aus, dass sie gegen das geplante Kohlekraftwerk sind. Aber irgendwo muss der Strom ja herkommen“ – antwortete mir der Herr im roten T-Shirt, auf dem in weißer Schrift „Areva“ stand.

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Man spuert es nicht

In Grütz habe ich auf einem Biwakplatz mein Zelt aufgestellt. Mitten im Dorf an der Havel wurde dieser Platz eingerichtet, mit Klo, Feuerstelle, überdachten Bänken. Wasser konnte ich mir aus einem Gartenschlauch vom Haus gegenüber abzapfen. Die Bewohner dort verwalteten
den Platz. Für die 2,50 Euro Übernachtungsgebühren bekam ich eine Quittung. Nein. Sie waren sehr nett. Der Mann brachte mir nicht nur Feuerholz zum Anzünden sondern auch einen Teller heißer und leckerer Kürbissuppe.

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My first campfire

Nach dem dritten Anlauf schaffte ich es, mithilfe von Birkenrinde das Feuer in Gang zu bringen, und es kam ein kleiner Moment, in dem ich mir wünschte, nicht alleine am Feuer zu sitzen. Ein kurzer Sprung zwischendurch in die Havel ersetzte die abendliche Dusche. Nicht nur das Feuer sondern auch die Glücksgefühle im Bauch wärmten mich wieder auf.

Berlin
Nun bin ich in Berlin, habe mir ein neues Schlafsack-inlay und neue Regenüberschuhe kaufen müssen, habe mir erklären lassen, wie ich meinen Kocher grundreinige und werde mir morgen meine helle Hose, die ich geschenkt bekommen habe, enger nähen lassen. Auf Sightseeing habe ich keine Lust, treffe mich mit Freunden und Bekannten und lese das Buch über Anarchafeminismus zuende, welches ich Sylvester vor eineinhalb Jahren hier begonnen habe. Gleichzeitig versuche ich mich auf Polen vorzubereiten, überlege mir eine Strecke, verwerfe sie wieder und suche eine neue. Ach, wahrscheinlich werde ich einfach drauf losfahren.

Und zuletzt?
Um meinem lieben Freund und Kumpel Armin vorzukommen, der die geistreiche Idee hatte, einen Blog zu schreiben mit der Überschrift „was Heike alles nicht schreibt“, möchte ich nun auch erwähnen, wie ich in einem Scheunen-Cafe darum bat, mir die Plastikflasche mit Wasser zu füllen, und ich am Ende 3,50 € dafür bezahlen durfte, dass die Bedienung statt Leitungswasser Mineralwasser in die Flasche gegossen hatte. Immerhin konnte ich noch ein kleines Bier herausschlagen, wie ich am allerersten Tag meine geliebte Sitzunterlage verlor, am dritten Tag meine schwarze Windweste. Schwarz gab es nur noch in Pink, weshalb ich nun mit einer pinken Windweste herumfahre.
Den nächsten Blogeintrag wird es voraussichtlich aus Krakau geben.

More Pictures:


 As I sit in front of my tent, I watch the
sun set, listen to the birds sing their night songs and chase
mosquitoes (not necessarily in that order). I am tired. My heart is
still sad from saying farewell to my beloved Oma yesterday.

After yesterday’s lunch at home with my parents and Opa, I visited my Oma
at the cemetery. After less than 1/2 kilometre, I almost lost one of
the rear pockets from my bike carrier. My first experience of
bicycle repair and half an hour later, I was back on the road. I
said goodbye to my Oma and with a hotchpotch of grief and joyful
anticipation, I biked through Minden along the Weser to start my
journey.

Hamburg
It took me 2 days to reach Hamburg where I met my good friends Friedrich
and Sabine. We have not seen each other for nearly two years and had
a happy reunion. Hamburg showed its beautiful side when we sat on
the balcony and had breakfast with freshly-baked Portuguese cake,
tasty Cappuchino, I realized how free I am now.

Friedrich took me to his rowing club. And for the first time in my life I
rowed with four rowers and a coxswain. We sailed on one of the Elbe
canals, then took a ferry and in Finkenwerder we had traditional
Altona fish bread rolls. In the evening, there was a beer or two at
the local kneipe in the Hafenstrasse. And once again, I had to say
goodbye to my friends. Sabine gave me a worry eater that I now keep
on my bike. And Friedrich gave me a biker’s vase in which I now
carry freshly picked flowers whenever I can. Bless their hearts.

Wendland – “War Starts Here – Camp”

Along the Elbe to Hitzacker, then Dannenberg, then Jameln where it starts
to rain. And here I remembered the blood-covered face of farmer Adi
Lambke who was sitting in his tractor when he was beaten up by the
police. It was Castor-time in Wendland in 1996.

From my old friend O. I borrowed an old tent and bike. I thought it too
risky to ride with my newly acquired equipment to Altmark to attend
“War Starts Here – Camp” demonstrations. During the day there
were exciting workshops and in the evenings we had stimulating
discussions heated by bonfires. War starts here.

Time there passed very fast and one week later I am off to Berlin. On
the way to Brandenburg I notice many signs with a red Xe that were
nailed onto houses, trees and garden fences. Apparently the meaning
of these signs is opposition to the planned coal-fired power station.
But, as someone tells me, electricity has to come from somewhere.

In the middle of Grütz (on the river Havel) I put up my tent, there is
a loo, fireplace, and roofed benches. Tap water is available from a
garden hose fed from a house nearby. There is a charge 2.50 euros for
overnight camping plus I also get a receipt. Unbelievable. People
here are very nice. One man not only brings me firewood but also a
plate of hot and tasty pumpkin soup.

I have to start my first wood fire 3 times. A jump into the Havel
replaces the non-existing shower. Freshly cleaned from the
perspiration of the day’s travel, my body and soul are warming up
aided by a beautiful bon fire although I am a bit sad to be here
alone.

Berlin
Now I am in Berlin where I buy a new inner lining for my sleeping bag and
rain booties for the bike. I do not feel like sightseeing but I am
catching up with old friends and I read. At the same time, I try to
prepare for my trip to Poland. I find a route and then discard it,
trying to find another one. Possibly I will just start riding and
find my way by just going.

And now?
To get one up on my dear friend Armin who wrote a blog with the heading
“Everything Heike did not write“, I would now like to tell the
story of how I asked service personnel in a cafe to fill my plastic
bottle with water. Not only did they fill it up with mineral water,
they also charged me 3.50 euro. It was tap water I asked for. I
said, “thank you very much” and I paid. And still had money left
over for a beer. Are you happy Armin? It appears my next blog entry
will likely be from Cracow.

 

One thought on “Berlin

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