Carretera Austral – Schotter und Sand

Die letzte Nacht im windigen Patagonien auf der Estancia Santa Magarita kann ich nicht schlafen. So sehr stuermt es, und ich will doch am naechsten Tag fahren. Und dann am Morgen scheint es sich ausgestuermt zu haben. Windstille…..Ich verabschiede mich von allen liebgewonnenen. 

Im 40 km entfernten El Chalten bleibe ich zwei Tage. Ein sauteures Nest, dessen Entstehungsgeschichte einzig und allein auf dem Tourismus beruht. So reiht sich ein Hostel an das andere, dazu Restaurants und einige winzige Supermaerkte. Dazwischen finden sich kleine zusammengeschusterte Haeuschen, deren zweite Geschosse meistens noch nicht ueber den Rohbau hinausgekommen sind. Dort wohnen die wenigen 100 Einheimische. Ich mache ich einen „Spaziergang“ zu einer Lagune.

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18 km und ich bin fix und fertig. Auf dem Rueckweg treffe ich auf Aya. Sie kommt aus Japan und reist ebenfalls alleine, was fuer eine 52 Jahre alte Japanerin etwas wirklich aussergewoehnliches ist.

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Aya

Wir haben viele Kilometer Zeit zum Plaudern. Auf die Frage, wo sie so gut Englisch gelernt haette, denn auch das war sehr aussergewoehnlich an Aya, sagt sie – auch das eine aussergewoehnliche Antwort: „Am Kuechentisch“. Ich mache grosse Augen und sie erklaert weiter, ihr Ehemann wollte nicht, dass sie arbeiten geht, was etwas nicht Aussergewoehnliches ist. Sie langweilte sich, und da fing sie an, Englisch zu lernen. Und als ihre Tochter in Kanada studieren wollte, ergriff sie die Chance, ihre Reiselust zu stillen, und begleitete ihre Tochter nach Kanada, um auf sie  „aufzupassen“ erzaehlt sie mit einem verschmilzten Laecheln. Sie sagte, sie wuerde so gerne zelten. Sie hat es nur einmal gemacht, frueher einmal, eine Nacht, und weil es ihrem Mann nicht gefiel, blieb es bei der einen Nacht. Aya, ich hoffe, du glaubst mir, wenn ich sage, dass es wirklich sehr einfach ist, ein Zelt aufzubauen, denn daran scheitert bis dato Ayas Zeltprojekt. 

Eine nicht ganz einfache Strecke liegt vor mir: Mit dem Boot ueber den Lago del Desierto, danach sieben Kilometer auf unwegsamen Pfad, durch Matsch und Baeche, bergauf zur chilenischen Grenze und weiter per Boot nach Villa O’Higgings, wobei nie sicher ist, wann diese Boote fahren. Ich habe einen Hoellenrespekt vor diesen sieben Kilometern. Sie bedeuten, das Fahrrad tragen, rauf und runter laufen um die Taschen hochzubringen, und alles mit Essen fuer drei Tage im Gepaeck. Ich habe schon ueberlegt, jemanden anzuheuern, der mir meine Taschen auf dem Pferd hochtraegt. Am Lago del Desierto treffe ich auf Martin und Philippe, die wie ich diese Strecke mit dem Rad vor sich haben, und wir schaffen es zu dritt. Helfen uns gegenseitig, schieben zu zweit die Raeder hoch.

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Pushing the bike

Es macht Spass, wir haben Glueck, die Sonne scheint, die Wege sind trocken. Ja, am Ende muss ich sagen, es war eine tolle Gaudi. In Villa O’Higgings trennen sich unsere Wege wieder: Philippe bleibt noch eine Nacht laenger und Martin ist viel schneller als ich. 

Die ersten 100 Kilometer auf der legendaeren Carretera Austral sind
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atemraubend
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und anstrengend. DSCF8573

Und natuerlich bin ich nicht die einzige, die mit dem Rad unterwegs ist. Wildcampen gleicht oftmals eher Campingplatzuebernachtungen. Das liegt an der App IOverlander. Eine App, auf der die „tollsten Wildcampplaetze“ eingezeichnet sind.

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Wilder IOverlander-Campsite

Hier ist mensch tatsaechlich selten alleine. Es ist nicht einfach, schoene Plaetze zu finden, aber ich finde sie, ohne Klopapier und Kacke. 

Bis Cerro Castillo, einem kleinen Dorf ist die Carretera Austral bis auf wenige Kilometer unaspaltiert. Ich weiss, das staendige Ruetteln tut weder meinem Rad noch der Kamera gut. Alle zwei Tage ueberpruefe ich die Schrauben und drehe sie wieder fest. Ich treffe wieder auf die australische Familie, zwei Kinder, Banjo und Daisy, sechs und acht Jahre alt, mit Mama Krista und Papa Sam. Eine wunderbare Familie.

Die Kinder sind freigestellt von der Schule, was in Australien problemlos moeglich ist. Die beiden schreiben jeden Tag hochmotiviert ihr Tagebuch.

Krista erzaehlt, die Kids wuerden schnell anfangen zu noeseln, wenn es darum ginge, zu wandern, aber wenn es darum geht, die Raeder hochzuschieben, dann schieben sie ohne zu Murren, sehen die Notwendigkeit. Ein tolles Team.

Nach einer gemeinsamen Nacht am Lagerfeuer trennen sich unsere Wege vorerst wieder. Sie machen noch einen kleinen Umweg, waehrend ich geradeaus weiterfahre. Hinein in die Hitze, hinein in den trockenen ausgedoerrten Landstrich um Cochrane herum. Die Luft ist voll Asche, der Himmel braun.

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Cochrane

Ein Waldbrand, mehrere 100 ha gross, naehert sich gefaehrlich nahe der kleinen Stadt. 

Ich bleibe einen Tag, und aergere mich anschliessend unendlich, dass ich nicht noch ein Tag geblieben bin. Ein so schoener Ort, mit einer wirklich besonderen Atmosphaere, die Menschen dort  so unheimlich freundlich, aufmerksam. Jemand sagte, sie wuerde so gerne in Cochrane wohnen. das waere ihr groesster Traum. Ich kann nachvollziehen, warum. 

Aber ich fahre weiter.

Irgendwie gerate ich in eine Art Rasemodus, nehme mir keine Zeit, habe das Gefuehl, ich muss doch jetzt hier endlich mal vorwaertskommen,

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View of Carretera Austral in Racing-Mode

bin unzufrieden mit mir und dieser Staub, die Hitze, der Schotter gehen mir total auf den Keks. Ja, ich bin genervt. In Puerto Rio Tranquilo mache ich halt, moechte abends noch schnell eine Bootstour zu den Marmorfelsen machen, um dann frueh am naechsten Tag weiterzukommen. So spaet am abend gibt es keine Bootstour mehr, ok, dann eben keine Bootstour. Am naechsten Morgen packe ich alles zusammen und dann ploetzlich sticht mich eine Wespe in den Arm. Es tut weh, und so weiterzufahren, mit diesem Schmerz, geht absolut nicht. Der Wespenstich stoppt mich. Bringt mich aus dieser Rasespur wieder zurueck in meine eigene Spur, meinen eigenen Rythmus. Ein wunderschoener Gammeltag mit einer Bootstour zu den Marmorfelsen am Nachmittag geht zuende

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und am naechsten Morgen setze ich mich auf Charlotte und trete entspannt in die Pedale. 

Edu und Pferdekacke

Ca. 200 km weiter in Villa Cerro Castillo, treffe ich auch wieder auf Edu.

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Eduardo from Spain

Er hat noch nie irgendeine Radtour gemacht. Ist nach Buenos Aires geflogen, hat sich ein Fahrrad gekauft und ist einen Monat frueher als ich in Ushuaia gestartet. Geld hat er auch nicht sonderlich viel und findet immer Moeglichkeiten, irgendwo umsonst, bzw. gegen Arbeit zu schlafen. So einen Deal hat er auch mit dem Campsite-Besitzer Felidor hier in Villa Cerro Castillo gemacht. Das wollte ich auch, und so gab mir Felidor das Geld zurueck und am naechsten Tag, sammelten wir (am Ende waren wir zu viert) Pferdekacke auf. Aus der Pferdekacke sollen, (so Felidors Idee und Projekt) Pellets, bzw. Brickets zum Heizen entstehen. Eine vernuenftige Alternative zu Holz.

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Collecting Horse-shit

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explanations

Von Edu lerne ich viel: Sein Fahrrad stellt sich als absolute Schrottkiste heraus. Nach knapp 1000 km sind mehrere Speichen gebrochen, die Felge kaputt. Ich wuerde eine mittelgrosse Krise bekommen und er nimmt es absolut locker, denn irgendeine Loesung gibt es immer.

Norio Sasaki
Auf diesem Campingplatz treffe ich am letzten Tag auch auf Norio Sasaki aus Japan. Einen halben Kopf kleiner als ich. Er ist in Alaska gestartet, ganz oben im Norden, in Prudhoe Bay, machte einen Abstecher nach Tuktoyaktuk, im Winter und danach immer weiter nach Sueden, ueberflog Mexiko, Zentralamerika, Kolumbien und Ecuador, um dann in Peru wieder weiterzuWANDERN.

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Norio Sasaki

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His 10th pair of shoes

Wahnsinn!!!

Er zeigte mir Fotos, wie er ueber das Eis nach Tuktoyaktuk lief. Was fuer einen Respekt und welche Hochachtung habe ich vor diesem aussergewoehnlichen Menschen.

Asphalt
Ab Villa Cerro Castillo ist die Carretera Austral asphaltiert, durchgehend bis zu ihrem Anfang, bzw. ihrem Ende in Puerto Montt.

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The beginning of asphalt

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Fully paved Carretera Austral in the future

Das macht das Radfahren natuerlich einfacher, aber irgendwie fehlt der Reiz des Abenteuers. Landschaftlich ist es natuerlich immernoch aussergewoehnlich schoen. Nun ja, der naechste Ripio (=unbefestigte Strasse) kommt bestimmt…..

Bis dahin geniesse ich das leise Dahinrollen.

Carretera Austral 

Blue Lakes

And life inbetween

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Just relaxing

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Typical house around Carretera Austral

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Dinner…

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It always seems to start raining soon

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cementery

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Rio Baker

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Rio Baker

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Very big leaves

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Sometimes it is raining

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Calafate, very delicious

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Refugio for cyclists

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I am not the only one

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a very sad moment

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Borderoffice at Lago del Desierto: the most beautiful Workplace on Earth

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on the ferry across Lago del Desierto

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dry place to sleep

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I never say no to a cafe….

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