Carretera Austral – Schotter und Sand

It is the last night in windy Patagonia on the Estancia Santa Margarite and I cannot sleep.  So relentless is the wind, and the next day, I plan to leave… But in the morning, the wind has died down as I say goodbye to all those I have come to love. 
(Scoll down for more…)

Die letzte Nacht im windigen Patagonien auf der Estancia Santa Magarita kann ich nicht schlafen. So sehr stuermt es, und ich will doch am naechsten Tag fahren. Und dann am Morgen scheint es sich ausgestuermt zu haben. Windstille…..Ich verabschiede mich von allen liebgewonnenen. 

Im 40 km entfernten El Chalten bleibe ich zwei Tage. Ein sauteures Nest, dessen Entstehungsgeschichte einzig und allein auf dem Tourismus beruht. So reiht sich ein Hostel an das andere, dazu Restaurants und einige winzige Supermaerkte. Dazwischen finden sich kleine zusammengeschusterte Haeuschen, deren zweite Geschosse meistens noch nicht ueber den Rohbau hinausgekommen sind. Dort wohnen die wenigen 100 Einheimische. Ich mache ich einen „Spaziergang“ zu einer Lagune.

DSCF8304

DSCF8309

18 km und ich bin fix und fertig. Auf dem Rueckweg treffe ich auf Aya. Sie kommt aus Japan und reist ebenfalls alleine, was fuer eine 52 Jahre alte Japanerin etwas wirklich aussergewoehnliches ist.

DSCF8323

Aya

Wir haben viele Kilometer Zeit zum Plaudern. Auf die Frage, wo sie so gut Englisch gelernt haette, denn auch das war sehr aussergewoehnlich an Aya, sagt sie – auch das eine aussergewoehnliche Antwort: „Am Kuechentisch“. Ich mache grosse Augen und sie erklaert weiter, ihr Ehemann wollte nicht, dass sie arbeiten geht, was etwas nicht Aussergewoehnliches ist. Sie langweilte sich, und da fing sie an, Englisch zu lernen. Und als ihre Tochter in Kanada studieren wollte, ergriff sie die Chance, ihre Reiselust zu stillen, und begleitete ihre Tochter nach Kanada, um auf sie  „aufzupassen“ erzaehlt sie mit einem verschmilzten Laecheln. Sie sagte, sie wuerde so gerne zelten. Sie hat es nur einmal gemacht, frueher einmal, eine Nacht, und weil es ihrem Mann nicht gefiel, blieb es bei der einen Nacht. Aya, ich hoffe, du glaubst mir, wenn ich sage, dass es wirklich sehr einfach ist, ein Zelt aufzubauen, denn daran scheitert bis dato Ayas Zeltprojekt. 

Eine nicht ganz einfache Strecke liegt vor mir: Mit dem Boot ueber den Lago del Desierto, danach sieben Kilometer auf unwegsamen Pfad, durch Matsch und Baeche, bergauf zur chilenischen Grenze und weiter per Boot nach Villa O’Higgings, wobei nie sicher ist, wann diese Boote fahren. Ich habe einen Hoellenrespekt vor diesen sieben Kilometern. Sie bedeuten, das Fahrrad tragen, rauf und runter laufen um die Taschen hochzubringen, und alles mit Essen fuer drei Tage im Gepaeck. Ich habe schon ueberlegt, jemanden anzuheuern, der mir meine Taschen auf dem Pferd hochtraegt. Am Lago del Desierto treffe ich auf Martin und Philippe, die wie ich diese Strecke mit dem Rad vor sich haben, und wir schaffen es zu dritt. Helfen uns gegenseitig, schieben zu zweit die Raeder hoch.

P1040633

Pushing the bike

Es macht Spass, wir haben Glueck, die Sonne scheint, die Wege sind trocken. Ja, am Ende muss ich sagen, es war eine tolle Gaudi. In Villa O’Higgings trennen sich unsere Wege wieder: Philippe bleibt noch eine Nacht laenger und Martin ist viel schneller als ich. 

Die ersten 100 Kilometer auf der legendaeren Carretera Austral sind
atemberaubend DSCF8477

atemraubend
DSCF8682

und anstrengend. DSCF8573

Und natuerlich bin ich nicht die einzige, die mit dem Rad unterwegs ist. Wildcampen gleicht oftmals eher Campingplatzuebernachtungen. Das liegt an der App IOverlander. Eine App, auf der die „tollsten Wildcampplaetze“ eingezeichnet sind.

DSCF8568

Wilder IOverlander-Campsite

Hier ist mensch tatsaechlich selten alleine. Es ist nicht einfach, schoene Plaetze zu finden, aber ich finde sie, ohne Klopapier und Kacke. 

 

Bis Cerro Castillo, einem kleinen Dorf ist die Carretera Austral bis auf wenige Kilometer unaspaltiert. Ich weiss, das staendige Ruetteln tut weder meinem Rad noch der Kamera gut. Alle zwei Tage ueberpruefe ich die Schrauben und drehe sie wieder fest. Ich treffe wieder auf die australische Familie, zwei Kinder, Banjo und Daisy, sechs und acht Jahre alt, mit Mama Krista und Papa Sam. Eine wunderbare Familie.

 

Die Kinder sind freigestellt von der Schule, was in Australien problemlos moeglich ist. Die beiden schreiben jeden Tag hochmotiviert ihr Tagebuch.

 

Krista erzaehlt, die Kids wuerden schnell anfangen zu noeseln, wenn es darum ginge, zu wandern, aber wenn es darum geht, die Raeder hochzuschieben, dann schieben sie ohne zu Murren, sehen die Notwendigkeit. Ein tolles Team.

Nach einer gemeinsamen Nacht am Lagerfeuer trennen sich unsere Wege vorerst wieder. Sie machen noch einen kleinen Umweg, waehrend ich geradeaus weiterfahre. Hinein in die Hitze, hinein in den trockenen ausgedoerrten Landstrich um Cochrane herum. Die Luft ist voll Asche, der Himmel braun.

DSCF8549

Cochrane

Ein Waldbrand, mehrere 100 ha gross, naehert sich gefaehrlich nahe der kleinen Stadt. 

Ich bleibe einen Tag, und aergere mich anschliessend unendlich, dass ich nicht noch ein Tag geblieben bin. Ein so schoener Ort, mit einer wirklich besonderen Atmosphaere, die Menschen dort  so unheimlich freundlich, aufmerksam. Jemand sagte, sie wuerde so gerne in Cochrane wohnen. das waere ihr groesster Traum. Ich kann nachvollziehen, warum. 

Aber ich fahre weiter.

Irgendwie gerate ich in eine Art Rasemodus, nehme mir keine Zeit, habe das Gefuehl, ich muss doch jetzt hier endlich mal vorwaertskommen,

DSCF8590

View of Carretera Austral in Racing-Mode

bin unzufrieden mit mir und dieser Staub, die Hitze, der Schotter gehen mir total auf den Keks. Ja, ich bin genervt. In Puerto Rio Tranquilo mache ich halt, moechte abends noch schnell eine Bootstour zu den Marmorfelsen machen, um dann frueh am naechsten Tag weiterzukommen. So spaet am abend gibt es keine Bootstour mehr, ok, dann eben keine Bootstour. Am naechsten Morgen packe ich alles zusammen und dann ploetzlich sticht mich eine Wespe in den Arm. Es tut weh, und so weiterzufahren, mit diesem Schmerz, geht absolut nicht. Der Wespenstich stoppt mich. Bringt mich aus dieser Rasespur wieder zurueck in meine eigene Spur, meinen eigenen Rythmus. Ein wunderschoener Gammeltag mit einer Bootstour zu den Marmorfelsen am Nachmittag geht zuende

DSCF8602DSCF8639DSCF8616DSCF8660DSCF8650

und am naechsten Morgen setze ich mich auf Charlotte und trete entspannt in die Pedale. 

Edu und Pferdekacke

Ca. 200 km weiter in Villa Cerro Castillo, treffe ich auch wieder auf Edu.

DSCF8726

Eduardo from Spain

Er hat noch nie irgendeine Radtour gemacht. Ist nach Buenos Aires geflogen, hat sich ein Fahrrad gekauft und ist einen Monat frueher als ich in Ushuaia gestartet. Geld hat er auch nicht sonderlich viel und findet immer Moeglichkeiten, irgendwo umsonst, bzw. gegen Arbeit zu schlafen. So einen Deal hat er auch mit dem Campsite-Besitzer Felidor hier in Villa Cerro Castillo gemacht. Das wollte ich auch, und so gab mir Felidor das Geld zurueck und am naechsten Tag, sammelten wir (am Ende waren wir zu viert) Pferdekacke auf. Aus der Pferdekacke sollen, (so Felidors Idee und Projekt) Pellets, bzw. Brickets zum Heizen entstehen. Eine vernuenftige Alternative zu Holz.

DSCF8722

Collecting Horse-shit

DSCF8734

explanations

Von Edu lerne ich viel: Sein Fahrrad stellt sich als absolute Schrottkiste heraus. Nach knapp 1000 km sind mehrere Speichen gebrochen, die Felge kaputt. Ich wuerde eine mittelgrosse Krise bekommen und er nimmt es absolut locker, denn irgendeine Loesung gibt es immer.

Norio Sasaki
Auf diesem Campingplatz treffe ich am letzten Tag auch auf Norio Sasaki aus Japan. Einen halben Kopf kleiner als ich. Er ist in Alaska gestartet, ganz oben im Norden, in Prudhoe Bay, machte einen Abstecher nach Tuktoyaktuk, im Winter und danach immer weiter nach Sueden, ueberflog Mexiko, Zentralamerika, Kolumbien und Ecuador, um dann in Peru wieder weiterzuWANDERN.

DSCF8748

Norio Sasaki

DSCF8758

His 10th pair of shoes

Wahnsinn!!!

Er zeigte mir Fotos, wie er ueber das Eis nach Tuktoyaktuk lief. Was fuer einen Respekt und welche Hochachtung habe ich vor diesem aussergewoehnlichen Menschen.

Asphalt
Ab Villa Cerro Castillo ist die Carretera Austral asphaltiert, durchgehend bis zu ihrem Anfang, bzw. ihrem Ende in Puerto Montt.

DSCF8707

The beginning of asphalt

DSCF8703

Fully paved Carretera Austral in the future

Das macht das Radfahren natuerlich einfacher, aber irgendwie fehlt der Reiz des Abenteuers. Landschaftlich ist es natuerlich immernoch aussergewoehnlich schoen. Nun ja, der naechste Ripio (=unbefestigte Strasse) kommt bestimmt…..

Bis dahin geniesse ich das leise Dahinrollen.

Carretera Austral 

 

Blue Lakes

 

And life inbetween

DSCF8683

Just relaxing

DSCF8687

Typical house around Carretera Austral

DSCF8691

Dinner…

DSCF8690

It always seems to start raining soon

DSCF8585

cementery

DSCF8558

Rio Baker

DSCF8560

Rio Baker

DSCF8498

Very big leaves

DSCF8493

Sometimes it is raining

DSCF8487

Calafate, very delicious

DSCF8476

Refugio for cyclists

DSCF8399

I am not the only one

DSCF8369

a very sad moment

DSCF8366

Borderoffice at Lago del Desierto: the most beautiful Workplace on Earth

DSCF8349

on the ferry across Lago del Desierto

DSCF8346

DSCF7451

dry place to sleep

DSCF8675

I never say no to a cafe….

For 2 days I stay in El Chalten, 40 km away. A super-expensive place whose existence seems to be based solely on tourism. One hostel is next to the other, in addition to restaurants and some tiny supermarkets. Tucked in between are small do-it-yourself-style houses whose second floors are mostly still under construction – inhabited by about 100 locals. I am off to the lagoon.

18 km and I am exhausted. On the way back I meet Aya. She comes from Japan and travels also alone, something really unusual for a 52 year-old Japanese woman. We chat for many kilometres. When I ask where she had learnt to speak such good English – this was also unusual – she says at the “kitchen table”.  She explains she was bored and since her husband did not want her to go out and work, she decided to learn English. And when her daughter wanted to study in Canada, she seized the opportunity to satisfy her travel urge and accompany her to Canada, to “chaperone” she says with a twinkle in her eyes. Aya said she would love to go camping which she had done only once but because her husband did not like it, they did not do it again. Aya, I hope you believe me when I tell you that it is really very easy to put up a tent, which seems to overwhelm you.

Next I am facing a somewhat difficult stretch.  By boat across Lago del Desierto, then 7 km of nearly impassable paths, uphill to the Chilean border through mud and brooks.  Then onto a boat again to Villa O’Higgings.  The problem here is that one can never be sure of the boat’s schedule. I dread the next 7 km. It means, to carry the bike and then run up and down to fetch the panniers filled with food for 3 days.  I consider to hire someone with a horse to carry the bags. In Lago del Desierto I meet Martin and Philippe who are also going to Villa O’Higgings. Together we tackle the trip.  We help each other and two of us push up the bikes. We are lucky, the sun is shining, the paths are dry and there is lots of laughter. In Villa O’Higgings our ways separate, Philippe remains one night longer and Martin is much quicker than I. 

The first 100 km on the legendary Carretera Austral are breathtaking and, of course, I am not the only one biking. To camp wild here often feels like you are on a regular camping ground. And this is because of the app IOverlander that identifies the “greatest wild camping grounds“.

Here one is truly alone.  It is not easy to find nice places, however I do find them – with neither loo nor loo paper. 

Except for a few kilometres the Carretera Austral leading to Village Cerro Castillo is a very rough. The constant jiggling does little for my bike and less for my camera. Every 2 days I check and tighten all screws. Once again I meet the Australian family Krista and Sam with their two children, Banjo (6) and Daisy (8). An amazing family. The children are excused from school which is easily possible in Australia. Highly motivated, both kids record daily in their travel diary.

Krista says, the kids grumble and complain when it comes to hiking, but when it comes to pushing the bikes up a hill, then they go right at it – they see the necessity and do it. A great team. We spend one night together by the campfire and then our ways part again. Krista and family do a detour and I go straight ahead. Right into the heat, into the dried up region around Cochrane. The air is full of ash, the sky is brown. A forest fire, several 100 ha, approaches the small town. I stay one day and afterwards I am annoyed that I didn’t stay another day. It is a really nice place, with a special atmosphere, people are very friendly and attentive. When someone said, her biggest dream was to live in Cochrane, I understand the reason why. But I go on. Sometimes I get into a sort of racing modus. I feel the need to rush and progress in my journey. I am dissatisfied with myself. I detest the heat, the dust and the gritty road. I become irritated and stressed. I stop in Puerto Rio Tranquillo where I plan to take a boat to visit the marble rocks and then leave again the next morning.  But as I get there, I find there are no more boat tours at this late hour. Ok, so no visit to the marble rocks. 

Next morning I pack up everything and then suddenly a wasp stings me in the arm. The pain is so bad, it prevents me from going on. Turns out the wasp woke me up and forced me to relax and smell the roses. To get out of racing and go back to a more leisurely rhythm.  I spend a wonderful and lazy day on the boat and visit the marble rocks. Next morning, I mount Charlotte and with a relaxed mind I carry on biking.

Approx. 200 km farther in Villa Cerro Castillo, I run into Edu. He has never been on a bicycle tour. He flew to Buenos Aires, bought a bicycle and begun his trip in Ushuaia one month before I did. He has no money but always manages to sleep free of charge in exchange for work. Here he made a deal with the camp site owner Felidor. Since I had asked for the same deal Felidor returned my money and the next day, Edu and I collected (in the end there were four of us) horse shit. The horse manure, according to Felidor is used for pellets or briquettes for heating. A reasonable alternative to wood.

From Edu I learn a lot: His bicycle turns out no more than a metal scrap box. After just 1000 km several spokes and the rim broken. I would get a medium-sized crisis whereas and he takes it all in stride – because there is always a solution. 

On the last day at this camp ground I meet Nori Sasaki from Japan, half a head smaller than me. He started his trip in northern Alaska. In Prudhoe Bay he made a side trip to Tuktoyaktuk in the winter and then travelled south.  He took a plane to cross Mexico, then Central America, Colombia and Ecuador, and in Peru he resumed his hiking trip. Insanity!!! He has many photos to show how he crossed the ice to Tuktoyaktuk. Nori Sasaki, you have my utmost respect.

From Villa Cerro Castillo through to Puerto Montt the Carretera Austral is asphalted. Of course this makes the trip much easier but the magic of adventure is missing.  The region is breathtakingly beautiful.  But for sure, the next Ripio (gravel road) will come…  Up until then, I continue to pedal with leisure. 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s