One more time – China

„Does Chinese Public Security do a good job?“
„You found me.“
„May I hug you?“
„No.“
„What do you think about Chinese Public Security?“
„They are effective.“
„When do we see each other again?“
„Never.“ …
(scroll down for more)

Mit zwei Polizisten sitze ich um 8 Uhr morgens in ihrem Büro. Mein Zelt steht aufgebaut davor. Unfreiwillig.
Urspruenglich stand mein Zelt in einem kleinen Waldstück nahe an einer Bahnstrecke. Ich lag schon im Halbschlaf, als ich die Funkgeräte hörte und mir war klar, was nun passieren würde.
Zwei, drei, vier  Polizisten würden kommen, mir mit der Taschenlampe ins Gesicht leuchten und mir mitteilen, dass ich hier nicht schlafen könnte. Dann würde ich ein wenig herumdiskutieren, meinen Kram trotzdem zusammenpacken müssen und dann?
Zusammen gingen wir zur Polizeistation. Sie zeigten mir die Bank im Büro auf der ich schlafen sollte. Nein, das würde ich nicht tun. Einer der Polizisten stank nach Alkohol. Es schien hier wirklich nicht viel zu passieren in dieser ländlichen Gegend, denn plötzlich kam ein weiteres Polizeiauto auf den Hof gefahren und fünf weitere Polizisten stiegen aus, die nichts weiter taten als mich neugierig anzugucken. Ich baute das Zelt auf und sie leuchteten mir mit der Taschenlampe. „Gute Nacht.“ Ich verschwand im Zelt und sie verschwanden im Auto. Die Polizeistation wurde zugeschlossen und auch die letzten Polizisten verschwanden, schlossen das grosse Tor hinter sich zu und mich ein. Sollte mir recht sein. Dann kann wenigsten niemand hineinkommen.
Am nächsten Morgen kamen sie mit Frühstück wieder.

Nein, ich finde es nicht einfach, einen Schlafplatz in China zu finden.

Eine Nacht schlief ich im Gemeindehaus eines kleinen Dorfes. Es war ein schöner Abend. Es war ein Freitagabend. Die Tanzgruppe traf sich auf dem Vorplatz, die Theatergruppe

Dancing group in a village

Dancing group

übte in dem Saal, in dem die ganzen Kinder mit mir zuvor gemeinsam mein Zelt aufgebaut hatten. Ich wurde zum Essen in einem der Häuser eingeladen und spielte anschliessend im Halbdunkeln Tischtennis. Das halbe Dorf war versammelt. Die Tanzgruppe zog mir zu Ehren ihre wunderschönen Kostüme an und gaben eine weitere Tanzvorstellung. Und ich lernte wieder etwas dazu:

Die Frauen, die ich tagsüber mühsam auf den Feldern schuften sehe, gebückt in den Reisfeldern oder mit einer Hacke in der Hand den Boden umgrabend, sind dieselben, die nun hier Theater spielen oder tanzen. Ja, ich bin überrascht. Das hätte ich nicht erwartet.

helping hands

helping hands

Die Kinder mochten mich. Sie wichen mir nicht von der Seite. Sie zeigten mir stolz ihr Englischbuch und lasen laut darin vor. Zusammen. Gleiche Tonhöhe. Ob sie auch verstehen, was sie da lesen?

China ist anstrengend. Solche Abende sind kräftezehrend, aber gleichzeitig wunderschön. Ich möchte sie nicht missen. Und ich muss sorgsam mit meinen Energiereserven haushalten, damit diese Abende auch ich geniessen kann.

An einem Tag, durch kleine Dörfer und an Reis- und Zuckerrohrfeldern vorbeifahrend, denke ich: „Die Leute sind hier aber komisch.“ Ja, die Leute sind komisch, sie grüßen nicht, lächeln nicht, gucken mir ausdruckslos nach. Und dann fällt mir auf: ICH bin komisch: Ich rase nur durch. Grüße nicht, lächele nicht, mache nur Kilometer ohne richtig auf meine Umgebung zu achten. Ich gruesse wieder, laechele wieder und die Leute sind wieder „normal“.

Manchmal dauert es eine halbe Ewigkeit, über den Markt zu laufen und ein paar Sachen zu kaufen.
Nämlich dann, wenn ich Lust habe, mich auf die ganzen Menschen dort einzulassen. Sie sind neugierig, zeigen mir ihre Hühner, Enten, wollen mit mir reden, stellen mir 1000de von Fragen, „woher, wohin….?“ Die kann ich mittlerweile

on a marketbeantworten. Lachen, darüber, dass ich sie weiter nicht verstehe, schreiben dann irgendwelche Schriftzeichen auf ihre Hände oder Pappkartons, in der Hoffnung, dass ich wenigstens diese verstehe. Ich muss sie enttäuschen.
Aber sie haben ihren Spass und ich habe auch Spass. Ich möchte, dass die Menschen, denen ich begegne, mich in guter Erinnerung behalten.
Was wollte ich hier eigentlich noch mal? – Ach ja, Mandarinen kaufen.

Und ja, manchmal passiert es mir, dass ich auf der Strasse jemanden etwas frage, auf englisch, und mein Gegenüber zuckt zusammen, sagt auf chinesisch „verstehe nichts“ oder sagt garnichts lässt mich stehen und haut schleunigst ab.
Oder ich gehe auf jemanden zu, um etwas zu fragen und noch bevor ich den Mund aufmache, tritt der- oder diejenige die Flucht an. ICH bin diejenige, die diese Menschen bedrängt und in eine fuer sie unschöne Situation bringt.

Ich mag den Teil Chinas, den ich gesehen und erlebt habe. Nach über drei Jahren des Unterwegs seins erlebe ich hier noch immer Situationen über die ich nur lachend den Kopf schütteln kann, wie über diesen Mann der mit seinem Auto die gesammelten

Pressing cans

Pressing cans

Getränkedosen plattfaehrt. Immer vor und zurück. Ich gucke eine Weile zu und der Mann im Auto steckt seinen Kopf heraus, dreht sich zu mir um und lacht mich freundlich an.

Mir gefällt China. Geduld ist das Zauberwort, denn alles kann sehr lange dauern, weil die Kommunikation so unendlich schwierig ist.

Manchmal rege ich mich auf, weil mein Gegenüber mich einfach nicht versteht und die Leute hier doch alle schon ab der Grundschule Englisch haben. Aber Stop. ICH sollte ein wenig mehr Chinesische Wörter  können als  吃饭, 米饭, 谢谢 ,德国 und 这个.  Und es ist möglich, chinesisch zu lernen. Ich kann nicht einmal bis fünf zählen, nur bis vier, und das auch nur weil es mir die Kinder aus dem Dorf, in dem ich übernachtete, beibrachten.

Von Ulaan Bataar nach China
Eigentlich wäre ich gerne noch ein paar Tage in Ulaan Bator geblieben, aber der chinesische Parteikongress sollte bald beginnen und je näher der Termin rückte, desto mehr würden die Chinesischen Behörden am Rad drehen und paranoider werden und desto geringer würde die Wahrscheinlichkeit werden, trotz Visums nach China einreisen zu können. So stieg ich in den Zug Richtung Grenzstadt Zamin Uud. Noch völlig erkältet.

conductor in Mongolia

Checking ticket in Ulaan Bataar

Verpasste knapp den Direktbus nach Peking. Hatte Glück, einen Geländewagen zu finden, der mich sogar umsonst über die Grenze zur ersten chinesischen Stadt brachte. (mit Fahrrad oder zu Fuss ist es verboten.)

typical road

Back in China

Ich habe von einem Radler gehört, der trotz Visum nicht nach China einreisen durfte, weil seine Türkeistempel im Reisepass den Grenz-Officern nicht passte und er zurückgewiesen wurde. Ich war entsprechend nervös, weil ich vier Türkeistempel im Pass hatte. Als ich an der Reihe war, wurde ich wieder in ein Büro geführt, mein Herz klopfte schneller, Es wurden die beiden Iran-visa mokiert. Ich konnte sie beruhigen und mir fiel ein Stein vom Herzen, als ich endlich den Einreisestempel auf meinen Pass knallen hörte. Die Türkeivisa haben sie, so glaube ich, zwischen den ganzen anderen Stempeln und Visaaufklebern gar nicht entdeckt.

„Mei You!“
Ich kaufte ein Busticket nach Peking und als ich mit dem Fahrrad auf den Bus zurollte, sagte der Busfahrer nur: „Mei You!!“ -„Geht nicht, passt nicht“ oder was auch immer in der Richtung.
Ich ueberpruefte die Gepäckräume des Busses und musste dem Fahrer recht geben. Mei You.
Aber es muss gehen. Punkt. Und es ging tatsächlich. Beide Räder abmontiert, Lenker um 90 Grad gedreht, ein paar Koffer zusammengequetscht. Meine Radtaschen noch mehr gequetscht.
Glück gehabt.

Fuer Peking habe ich mir soviel vorgenommen, die verbotene Stadt anzusehen, den Sommerpalast, vielleicht zur chinesischen Mauer. Und was habe ich gemacht? Nichts. Ich hatte noch arg mit meiner Erkältung zu kämpfen. Fuhr 32 Kilometer quer durch einen kleinen Teil der Stadt zum Bahnhof um Charlotte wieder einmal auf Reisen zu schicken und legte mich wieder ins Bett. Zwei Tage spaeter folgte ich Charlotte nach Guilin.

Weiter nach Vietnam
Von Guilin fuhr ich an den berühmten Karstbergen

Karst mountains

famous Karstmountains

vorbei nach Nanning. Sieben Millionen Einwohner, die unter einem hellbraun gefärbten Himmel leben. Der Smog war furchtbar.

Smog in Nanning

Nanning and its smog

Ich bekam Halsschmerzen und Hustenanfälle, die aber verschwanden, sobald ich der Dunsthaube entkommen war und über einsame Landstrassen an Zuckerrohrfeldern Richtung Vietnam radelte.

close to Vietnam

Nice little roads towards Vietnam

Meine Zeit in China ging dem Ende zu und ja, ich wurde sentimental.

Market6

Thank you for the incredible time in China

Bye Bye China und danke ihr lieben Leute fuer die aufregende Zeit, und die doch eher lustigen Begegnungen mit euch.

More pictures:

 

At 8 o’clock in the morning, I was sitting with two police officers in their office with my tent set up in front of it.  Originally, it was set up in a small forest near train tracks. I was half asleep when I heard transceivers and I knew right away what would happen. Two, three, four policemen would come, shine their flashlights into my face and tell me that I was not allowed to sleep there.  I would then try to argue with them, would have to collect all my things – and then?  

They took me to the police station where they pointed to a bench for me to sleep on.  No, This wouldn’t do! One of the officers reeked of alcohol.  I don’t think too many exciting things ever happened in this rural area. Suddenly I heard another police car and 4 more officers emerged and looked at me as I set up my tent.  Finally they helped me out with their flashlights so I could see what I was doing.  “Good night then”.  I crawled into my tent, they left the office and locked the big door behind them. Ok then.  I felt safe.  Next morning they came back with breakfast. 

No, it was not easy to find a sleeping place in China. One night, I slept in a municipal house in a small village.  It was a Friday evening.  A local female dance group practiced in front of the hall and the theatre group practiced in the room where all the local kids had helped me set up my tent. I was invited to dinner in one of the houses nearby. After dinner we played table tennis.  Half the village was there.  In my honour, the dancers donned their costumes and gave another performance.  And I learned something new again:  These women were the same women who, during the day, worked hardly on the land, bent over in rice fields, or with a hoe in their hands, tilling the land.  And here they were at night, dancing and acting. I am surprised, this was not what I expected. The children did not leave my side, they showed me their English books and proudly read to me – all together, in the same pitch.  Did they understand what they were reading?

China is tiring.  Although such evenings are wonderful, they are – at the same time – arduous. I would not like to miss them. Yet I feel I have to household my energy reserves, so that I can enjoy these precious evenings. 

One day, riding through small villages, rice and sugarcane fields, I thought, “People here are strange.” They did not say hello, nor did they smile, they just looked at me impassionately.  And then it struck me, I was the one who was strange, I did not give myself the time to say hello, I did not smile, I was racing, kilometre by kilometre, without paying the slightest attention to the people and the surroundings.  I was the one who had to change!!  It was my fault. I started to smile and to say „hello“ again and people were „normal“ again.

Sometimes it lasts forever to cross the market and buy a few things. When I am in the mood of getting into all these people. They were curious, they showed me their ducks and chickens and asked me a million questions, “where are you from, where will you go?” Simple questions I by now was able to answer, and I gestured and laughed when I had exhausted my vocabulary and then they tried helping me by showing me relevant characters hoping that would make me understand.  When that didn’t help they still had their fun and I did as well. For me it was important that they had fond memories of my being there.  By the way, why was I at the market, once more?  Oh yes, I wanted to buy mandarins…  

And yes, sometimes it happens that ask somebody something in English and my counterpart winces, answers in chinese “don’t understand” or just say nothing and quickly takes off.  Or when I go up to someone and without even opening my mouth, that person takes flight. I realize I am the one who puts stress on the locals and get them into uncomfortable situations.

Those parts of China I have visited and experienced, I like very much.  After having been on the road for more than 3 years, I still experience situations that make me laugh. For example, I remember one guy driving with his car back and forth to flatten a collection of tin cans.  When he saw me watching him, he stuck his head out of the window laughing at me. 

I like China. Patience is the magic potion, everything can take a long time because the communication is so infinitely difficult. Sometimes I get impatient because my counterpart simply does not understand me, especially knowing that people here learn English already at an elementary school level.  But stop!!! I should be able to speak and understand a few more Chinese words than 吃饭, 米饭, 谢谢 ,德国 und 这个.  I know it is possible to learn some rudimentary Chinese.  And yet I cannot even count to five.  Thanks to a few children in a small village where I stayed, I know how to count to four. 

From Ulaan Bataar to China
I would have loved to stay a little longer in Ulaanbataar, but the Chinese Party Congress was going to start soon and the closer the opening day would come, paranoia would surely set in among party officials and my chances to gain entry into China could be compromised even though I had a valid visa.  Still having a heavy cold I took the train to the border city Zamin Uud.  Once there, I missed the direct bus to Peking, but I was lucky I found a transport truck driver who took me across the border to the nearest Chinese town (it is forbidden to cross the border by foot or bike).  

I had heard about a cyclist who, although he had a valid visa, was denied enter into China because border officials did not like the Turkish stamp.  Consequently crossing the border, I was pretty nervous  – I had 4 Turkish stamps in my passport – Again the customs officers asked me to come into the office.  Apparently they had problems with the Iranian stamps.  I managed to put their minds at ease and finally they stamped my visa and I was allowed to enter China. The Turkish stamps they likely overlooked because I had a barrage of stamps and stickers in my visa. 

“Mei You!”
I bought a bus ticket to Peking and when the bus driver saw my bike with its luggage, he just said “Mei You!” – “No way, doesn’t fit” or something to that extent.  I surveyed the luggage area of the bus and he was right, my bike did not fit in.  But it had to!!!  And it did.  I removed both wheels, turned the handlebars, squished my panniers, moved a few suitcases and. Lucky again.

I had so many plans when I arrived in Peking: visit the forbidden city, the summer palace, the great Chinese wall.  And what did I do?  Nothing! I was still under the weather fighting a cold.  I cycled to the train station 32 km across a small part of the city and, with a heavy heart, sent Charlotte ahead on her own to Guilin. And I?  I went to bed but followed Charlotte two days later. 

Heading for Vietnam
From Guilin I went to Nanning past the famous Caarst mountains.  Nanning is a city of 7 million and seems to be smothered by a blanket of light brown smog.  It was horrible.  Barely recovered from my cold, I once more had a sore throat and was getting endless coughing fits. Both symptoms disappeared as soon as I left Nanning behind and was cycling towards Vietnam along lonesome sugar cane fields.

My time in China was nearing its end – as usual leaving a country saddens me – and my sentiments became the better of me.  Bye, Bye, China and thank you people for the exciting and also fun times you allowed me to share with you. 

Ein Gedanke zu “One more time – China

  1. Wie schoen wieder von dir zu hören. Endlich mal wieder was zu übersetzten!! Weiterhin viel Glück und immer viel Wind im Rücken in Vietnam. Von allen – liebe Grüße aus Kanada

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