Japan: Ganbatte

“Sorry Mama, I have to go, I must find a place to sleep and it looks like rain“.

I was sitting in front of a 7/11 store, packed up my laptop, drank the rest of my cold coffee and carried on.  I found a little camp site under a bridge right next to a park.  And then it rained!  It stormed all night like I had seen it only a few times in my life.  My tent was drenched as the wind drove the rain almost horizontally under the bridge.  It was hard to sleep at all.  In the morning there was a bit of a drizzle….
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„Mama, ich muss jetzt Schluss machen. Ich muss noch einen Schlafplatz finden und es sieht nach Regen aus.“
Ich sass vor einem 7/eleven, packte den Laptop wieder ein, trank den Rest schon kalt gewordenen Cafes aus und fuhr los. Wenig später fand ich einen Zeltplatz unter einer Brücke, direkt neben einem Park.

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Sleeping under a bridge

Und es regnete tatsaechlich. Nachts tobte der Sturm, wie ich es bisher vielleicht erst dreimal erlebt hatte. Mein Zelt war nass und elendig vollgeschlammt. Der Wind peitschte den Regen fast waagerecht unter der Brücke durch.
Geschlafen habe ich kaum. Morgens nieselte es nur noch ein wenig. Ich versuchte so gut es ging, den aufgespritzten Schlamm vom Zelt zu wischen. Beim Zusammenpacken stiess ich mir den Kopf so sehr am Stahlgerüst der Brücke, dass es mich fast umgeworfen hätte. Ich fühlte nach. „Oh, man, blutet ja sogar.“ Ich setzte den Helm auf und packte weiter.
Was fuer ein toller Tagesanfang. Ich war schon fix und fertig obwohl ich noch gar nicht losgefahren bin. Zum Glück liess sich die Sonne wieder blicken, zum Glück hatte ich tollen Rückenwind und zum Glück ging es nicht bergauf. Schon früh nachmittags hielt ich Ausschau nach einem Schlafplatz, wollte früh Feierabend machen, weil ich mich den ganzen Tag schon neben der Kappe oder im Radlersprech „neben der Spur“ fühlte. Der Kopfstoss am Morgen hat mich doch mehr mitgenommen. Ich fand keinen Schlafplatz. Am Hafen war es zu stinkig, bei einem Haus wurde ich abgewiesen, eine Wiese zu feucht. Ich war verzweifelt. So schwierig hat sich die Schlafplatzsuche in Japan noch nie gestaltet und ausgerechnet heute. Verdammt. Mir war echt zum Heulen zumute. Und nachdem ich tatsächlich ein paar Tränen vergossen hatte, war plötzlich alles wieder so leicht und schwerelos.

Das Schafparadies
Und dann fand ich einen Schlafplatz. den bisher schönsten in Japan. Auf einer kleinen Schaffarm, bei Nikoko. Ich durfte im Büro schlafen. Inmitten von Spinnrädern, Säcken mit Wolle gefüllt, einem kleinen Holztisch. urgemütlich und warm.

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Nikoko

Am nächsten Morgen regnete es wieder. Ich durfte noch einen Tag bleiben. Und wozu ich weder in Australien noch in Neuseeland mit seinen Millionen und Abermillionen Schafen kam, habe ich in Japan sehen dürfen. Schafe scheren. Ich lernte, ein Schaf einzufangen und es auf den Rücken zu legen.

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Helping to sheer a sheep

Ich kämmte mich durch einen Sack voller gewaschener Schafwolle und diese eintönige Arbeit hat mir tatsächlich grossen Spass gemacht. Wolle ist fühlt sich einfach toll an. Es gab nur ca. 40 Schafe. Alle hatten sie Namen und sie waren sehr zutraulich. Zwar hatten sie nicht quadratkilometerweiten Auslauf wie in Neuseeland, aber ich glaube sie waren zufriedener als ihre Artgenossen auf der Südhalbkugel, die bei jedem Näherkommen eines menschlichen Wesens in Panik ausgebrochen sind.

Ich verliess die Küste. 300km Grossbaustelle hatte ich hinter mir. Der Tsunami 2011 hat die gesamte Küstenregion plattgewalzt.

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Huge Area destroyed by the tsunami 2011

Es gab keine grossen, normalen Steinhäuser mehr auf Strandhöhe, stattdessen kleine schnell zusammengezimmerte Häuschen. Etwas höher und weiter im Inland fahre ich durch grosse Neubauviertel. Und dann haben sie mich wieder, die Berge, die einsamen Strassen.

Ein nicht ganz gewöhnlicher, aber auch kein ganz ungewöhnlicher Tag
Ich wachte auf. Da steht jemand vor meinem Zelt und sagte vielleicht so etwas wie „Guten Morgen“ auf japanisch.

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Kaffee ans Bett gebracht 🙂

Ich oeffenete den Reisverschluss, „Good morning.“
Ein Mann beugte sich herunter zu mir und fragte, ob ich lieber schwarzen Cafe oder einen mit Milch hätte. Ich nahm die heisse Dose Cafe mit Milch. „vielen, vielen Dank.“ Wir unterhielten uns eine Weile: woher, wohin. Er fuhr davon, ich packte zusammen. Er kam zurück und schenkte mir eine Strassenkarte, worüber ich mich sehr freute, denn ich hatte keine von dieser Gegend.

Ich genoss die einsame und stille Strasse nach dem Dauerlärm an der Küste. Fuhr an kleinen Bauernhöfen vorbei. Die Kirsch- und Pflaumenbäume blühten.

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Cherry Blossom

Ich hörte, wie jemand mir etwas hinterher rief. Ich hielt an, drehte mich um. Eine Frau kam auf mich zu. Ich fuhr ihr entgegen. Sie schenkte mir eine Dose Cola und eine Packung Schokoladenkugeln. Wir unterhielten uns ein wenig. Sie konnte gut englisch. Sie arbeitete auf einem der Höfe und war sehr an Deutschland interessiert. Wir tauschten emails aus und ich hoffe, ihr irgendwann einmal helfen zu können, wenn sie tatsächlich nach Deutschland kommen sollte.

Nachmittags fragte ich im nächsten Dorf in einem Laden, dem einzig geöffneten, ob ich die Toilette benutzen dürfte. „Klar doch.“ Ich wurde zu einem Cafe eingeladen und wir sassen zu dritt um einen Tisch herum. Die Konversation verlief ein wenig holprig, weil ich ja kein japanisch und die beiden nicht viel Englisch konnten. Ich ass mein Mittagessen und der Ladenbesitzer schenkte mir noch ein kleines Sushipaket. Er bat seine Tochter zu kommen. Shiho lebt seit fünf Jahren in New York und war zu Besuch bei ihren Eltern, ihren kleinen Sohn im Huckepack. Sie luden mich zu sich nach Hause ein und ich durfte zum ersten Mal in einem typischen japanischen Haus übernachten.

Dreimal wurde mir an diesem Tag etwas geschenkt. Es passiert, dass ich vor einem Convenient Store sitze, und plötzlich drückt mir jemand eine Flasche Wasser, eine Orange oder eine Süßigkeit in die Hand. Es passiert, das plötzlich ein Auto anhält und mir wird wortlos etwas zu trinken oder zu essen gereicht. Die Leute fahren weiter und lassen mich zurück mit ihrem Geschenk und meiner Sprachlosigkeit.

Bei Shiho zuhause
Zwei Zimmer waren fast leer. Der Boden war mit Bastmatten ausgelegt. Die Fenster, mit kleinen Holzrahmen unterteilt und mit Papier bedeckt.
Die anderen Zimmer, Wohnzimmer und Küche, dagegen waren bombastisch zugestellt und vollgepackt.

Mir fiel der kleine Shintoschrein im Wohnzimmer auf und ich fragte ob sie auch „so etwas“ wie Weihnachten feiern. Shiho guckte mich mit grossen Augen an: „Natürlich feiern wir Weihnachten.“ Und sie zeigte mir den Platz, wo sie den Weihnachtsbaum hinstellen, direkt neben dem Schintoschrein. Das mag ich, sich das beste aus allen Religionen herauspicken.

Neben Shihos Eltern wohnen auch die Grossmutter und ihre Schwester im Haus. Letztere habe ich nur einmal kurz gesehen, denn auch sie arbeitet und arbeitet den ganzen Tag und die halbe Nacht.

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Shihos family

Hat zwei Wochen am Stück durchgearbeitet, tippt in irgendeinem Hotel Zahlen in den Computer und als ich am nächsten Tag um die Mittagszeit fuhr, es war ein Samstag, schlief sie noch immer. Die Grossmutter geht nicht ins Bett bevor die Schwester nicht sicher zuhause angekommen ist. Sie sitzt am Wohnzimmertisch und nickt immer wieder ein. Die Mutter arbeitet in einem Kindergarten. Shiho rief sie auf der Arbeit an, um ihr zu sagen, dass sie Besuch hätten. „Ich muss nach Hause, eines meiner Kinder hat Fieber.“

und zum Schluss
Ich werde oft gefragt, warum mache ich das überhaupt, und nun habe ich endlich eine Antwort gefunden die auch mich zufriedenstellt.
Ich bin losgefahren auf der Suche nach dem grossen Abenteuer und um herauszufinden ob ich das kann.

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7,50m hohe Schneewand

Das habe ich nun herausgefunden. Und ich fahre weiter, weil ich mich dabei so lebendig fühle, und weil ich mein Herz wachsen spüre, gefüttert von Liebe und Glück.

People often ask me, why (the hell) am I doing this.
Now I found an answer that also satisfies me:
I started this trip, because I was looking for the big adventure and I wanted to find out if I can do it.
I finally found it out. I continue because I feel alive, and because I feel my heart growing, feted with love and happiness.

More Pictures:

…I tried to clean off the mud and dry off my tent as best I could. While packing up I knocked my head so hard on the steel scaffolding of the bridge that it started to bleed. I sucked up the pain, put on my helmet and continued packing. What a great beginning to the day… I was already exhausted and I hadn’t done a bit of cycling. Luckily the sun showed up, I had a tail wind, and it didn’t go uphill.

I looked for a sleeping place early as I felt the day had already passed me by. The bump on my head had taken its toll and I was really tired. On top of it, I found no suitable place to sleep. The harbour was too stinky, one house declined to let me tent in their yard, and a nearby meadow proved too damp. I was desperate. Finding a place to sleep has never been difficult in Japan. Damn. I felt like having a good cry and that’s just what I did. And as almost always after a good cry I felt elevated as suddenly, for no good reason, life was beginning to look better.

And I also found a place to sleep – one of the best in Japan so far. Nikoko, manager of a small sheep farm let me sleep in the office. In the middle of spinning wheels, bags filled with wool, a small wooden table – very comfortably and warm.

The next morning it rained again and I was able to stay another day. What I neither saw in Australia nor in New Zealand with its millions and millions of sheep, in Japan I saw sheep shearing being done. I also learned to catch a sheep and turn it on its back.

I combed a bag of washed sheep wool and found the monotonous work immensely satisfying. Wool feels so calming. There were about 40 sheep on the farm, they all had names, and they were very friendly. Although they didn’t have the same run as sheep in the southern hemisphere, they seemed to be very content with their lot and didn’t panic when they saw a human being approach.

Finally I left the coast and 300 km of construction site behind me. The tsunami in 2011 had flat rolled the entire area.

There were no more big stone houses on the beach, rather there were quickly-built small houses. A little higher and further inland, I biked through newly constructed residential areas. And then, finally, I found myself in the midst of mountains and lonesome roads again.

a not really representative but also not a untypical day
When I woke up that day there was somebody standing in front of my tent and said something like “good morning“ in Japanese. I opened the zipper of my tent, “good morning”. A man bent down and asked if I prefer black coffee or coffee with milk. I took the hot coffee with milk, “many thanks to you”, and then we talked for a while. He drove away, I packed up. He came back and gave me a road map and I was very happy because I had none for the area.

I enjoyed the lonesome and quiet streets after the busy and noisy coastal roads. Cherry trees and plum trees were in blossom.

I heard somebody shouting behind me. I stopped and turned around. A woman came up to me and gave me a can of coke and a bag of chocolate candies. Her English was very good and we talked a little. She worked on one of the farms and was interested to learn about Germany. We exchanged emails and I hope to help her sometime should she ever come to Germany.

In the afternoon I asked in a village store – the only one open – whether I might use the toilet. “But of course“. A customer invited me for a coffee and then three of us sat around the table. Our conversation was a little sporadic, I didn’t speak Japanese and they didn’t know a lot of English. As I was going to leave, the storekeeper gave me a small sushi package. And then he asked his daughter to come and talk to me. Shiho had previously lived in New York for five years and now she and her little son were visiting her parents. Shiho invited me to her home and for the first time I spent the night in a typical Japanese house.

Three times this day I was given a gift.
It happens that I sit in front of a convenience store when suddenly someone presses a bottle of water, an orange and something sweet into my hands. Or someone stops the car and passed me a drink and something to eat. Then they take off and leave me speechless and alone with the gift.

At Shiho’s home, there were two rooms almost empty. The floor was laid out with phloem mats. The windows, divided by small wooden frames, were covered with thin paper. The other rooms, living room and kitchen, were crowded and furnished elaborately.

I noticed the small Shinto shrine in the living room and asked whether they celebrate something like Christmas. Shiho looked at me with big eyes, “of course we celebrate Christmas“. And she showed me the place where they put the Christmas tree, directly beside the Shinto shrine. I was impressed of how open minded that is to take from each religion what is suitable to their lives.

Besides Shiho’s parents the grandmother and her sister also live in the house. I saw the sister only briefly, as she worked the entire day and half the night. Shiho’s sister worked through two weeks typing figures into the computer for a hotel and when I left the next day around noon she still slept. Typically the grandmother did not go to bed until the sister was home safely. She sat at the sitting room table nodding off. The mother worked in a kindergarten. When Shiho called her at work to tell her that they had a visitor she told her boss, “I have to go home, one of my children has a fever“.

People often asked me, why (the hell) I’m doing this and I am happy to say that I found the answer. I took off in search of a big adventure and whether I can something like this. Now that I know I can, I go on because I feel so alive. My heart is growing by leaps and bounds not only by giving and accepting love, happiness and luck, but also by facing and dealing with challenges, adversity and sadness.

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